Gedichte Humor


Gedichte - Humor

Sammlung an Gedichten mit Bezug zum Thema: Humor für Leserunden und Gedächtniseinheiten.

 


Der Humor

Humor ist sozusagen unser Senf des Lebens.
Er macht ein Stücklein trocken Brot zum Leibgericht.
Wer ihn nicht selbst besitzt, der hamstert ihn vergebens,
so hat man ihn entweder – oder hat ihn nicht.

Humor ist schwierig oder gar nicht zu ergründen.
Er ist stets taktvoll, niemals vorlaut und nicht spitz.
Humor ist zu erleben und nicht zu erfinden,
im Gegensatz zu seinem kleinen Bruder Witz.

Humor ist unser Freund in allen Lebenslagen,
weil er dem Herz entspringt und nicht dem Intellekt.
Man kann zum Beispiel mit Humor die Wahrheit sagen,
so daß sie uns bekommt und halb so bitter schmeckt.

Humor blüht auch an kühlen Dauerregentagen
und stimmt uns fröhlich, wenn es noch so schaurig ist.
Ja, mit Humor läßt sich sogar ein Humorist ertragen,
und wenn er wirklich noch so traurig ist.

Fred Endrikat

 

 

 

 

Der Humor

Es zog durch die Straßen der lust'ge Humor.
Ihm folgte laut lachend ein Menschenchor.
Sie freuten der Späße sich, die er trieb,
Und wie er auf die Narren hieb.

Nun trat in sein Haus er, in sein Gemach,
Und ein paar Menschen schlichen ihm nach.
Ist er draußen so fröhlich – fiel ihnen ein –,
Wie lustig muß er erst zu Hause sein!

Doch es machte starr sie, was sie geschaut:
Der Humor saß im Winkel und weinte laut.

Albert Roderich

 

 

 

Ein echter Dichter, der erkoren,
ist immer als Naturalist geboren,
doch wird er ein roher Bursche bleiben,
kann ihm in die Wiege die Fee nicht verschreiben
zwei Gaben aus ihrem Wunderland:
Humor und feinste Künstlerhand.

Thomas Selle

 

 

Wer mit ernsten, schweren Tritten
Durch das Leben kommt geschritten,
Kämpft im Schweiß des Angesichts
Und erringt oft schließlich – nichts!
Doch, wer mit Humor, dem kecken,
Off'nen Blicks kann Herzen wecken,
Der erwirbt mit Recht und Fug
Sich Fortunas Gunst im Flug.

Unbekannt

 

 

 

Das Glück

Das Glück gleicht oft dem Schlingel,
Der nachts vor deinem Haus
Zum Scherz reißt an der Klingel
und dann – kneift aus.

Wer über solches Treiben
Sich ärgert, ist ein Tor.
Du mußt ans Haus nur schreiben:
Hier wohnt Humor!

Theobald Röthig

 

 

Motto

Wie aus des Lebens Schattenseiten
oft bricht ein Sonnenstrahl hervor,
so wirkt beim Menschen in ernsten Zeiten
der echte, goldige Humor.

Weil er für einige Sekunden
den bittren Ernst vergessen macht,
wird rasch ein jedes Herz gesunden,
wenn es mal richtig krank sich lacht.

Fred Endrikat

 

 

Zwei Pfund Geduld, drei Pfund Zufriedenheit,
viel Gottvertrau‘n in schwerer Prüfungszeit,
zwei Teile Müh‘ und Fleiß und einen Ruh‘,
Scherz und Vergnügen nach Geschmack dazu.
Recht reichlich guter Wille und Humor,
auch leichter Sinn, doch schmecke er nicht vor,
Geprüft ist das Rezept auf Richtigkeit
und reicht gewöhnlich aus auf Lebenszeit.

Unbekannt

 

 

 

 


Schenke herzlich und frei.
Schenke dabei,
Was in dir wohnt
An Meinung, Geschmack und Humor.
So daß die eigene Freude zuvor
Dich reichlich belohnt.

Schenke groß oder klein
Aber immer gediegen.
Wenn die Bedachten die Gaben wiegen,
Sei dein Gewissen rein.

Schenke mit Geist, ohne List.
Sei eingedenk
Daß dein Geschenk
Du selber bist.

Joachim Ringelnatz

 

 

Schenken

Schenke groß oder klein,
Aber immer gediegen,
Wenn die Bedachten
Die Gabe wiegen,
Sei dein Gewissen rein.

Schenke herzlich und frei.
Schenke dabei,
Was in dir wohnt
An Meinung, Geschmack und Humor,
So daß die eigene Freude zuvor
Dich reichlich belohnt.

Schenke mit Geist ohne List.
Sei eingedenk,
Daß dein Geschenk
Du selber bist.

Joachim Ringelnatz

 

 

 

Hörte einst zu einer Biene
Jemand eine Wespe sprechen:
"Liebe Schwester, sieh' ich diene
G'rad wie du: wir beide stechen,
Und nicht irgendwen verschon' ich!" –

"Nein, du irrst, ich mache Honig",
Sprach die Biene. – Die Moral
Dieser Fabel bracht' einmal
Jemand auf die Frage vor:
Was ist Witz und was Humor?

Verfasser unbekannt

 

 

 

 

Gebet um Humor

Schenke mir eine gute Verdauung, Herr,
Und auch etwas zum Verdauen.
Schenke mir Gesundheit des Leibes
mit dem nötigen Sinn dafür,
ihn möglichst gut zu erhalten.

Schenke mir eine heilige Seele, Herr,
die im Auge behält, was gut und rein ist,
damit sie sich nicht einschüchtern läßt vom Bösen,
sondern Mittel findet,
die Dinge in Ordnung zu bringen.

Schenke mir eine Seele,
der die Langeweile fremd ist, die kein Murren kennt
und kein Seufzen und Klagen,
und lasse nicht zu,
dass ich mir allzuviel Sorgen mache
um dieses sich breit machende Etwas,
das sich "Ich" nennt.

Herr, schenke mir Sinn für Humor.
Gib mir die Gnade,
einen Scherz zu verstehen,
damit ich ein wenig Glück kenne im Leben
und anderen davon mitteile.
 

Thomas Morus

 

 

 

Humor

Man spricht von Humor jetzt oft und viel
Und denkt dabei nur an ein leeres Spiel.

Mancher kursiert als Humorist,
der nichts weiter als Spaßmacher ist,

Nichts ahnt von dem inneren Widerspruch,
von dem Zickzack, dem tiefen Bruch,

Der durch das ganze Weltall dringt,
Daß man immer fürchtet: es zerspringt,

Während die also geborstne Welt
Doch immer noch steht und zusammenhält...

Hat aber einer die Geistesmacht,
Die scharf durchschaut und doch heiter lacht,

Bleibt er fest und verzweifelt nie,
Hat er mehr als Witz, hat er Phantasie,

Versteht er über sich selbst zu schweben,
Sich selber dem Lachen preiszugeben:

Dem sei es gegönnt von ganzem Herzen,
Auf einmal einfach närrisch zu scherzen.

Ohne versteckte Gedankentiefen
Seine Freude zu haben am Naiven.

Friedrich Theodor von Vischer

 

 

 

Es sitzt ein Vogel auf dem Leim,
er flattert sehr und kann nicht heim.
Ein schwarzer Kater schleicht herzu,
die Krallen scharf, die Augen gluh.
Am Baum hinauf und immer höher
kommt er dem armen Vogel näher.

Der Vogel denkt: Weil daß so ist
und weil mich doch der Kater frißt,
so will ich keine Zeit verlieren,
will noch ein wenig quinquillieren
und lustig pfeifen wie zuvor.
Der Vogel, scheint mir, hat Humor.

Wilhelm Busch

 

 

 

 

Treff ich ein Grautier in der Stadt,
Sich stets noch dies bestätigt hat:
Wohlwollend sieht der kluge Mann
Und mit Humor den Esel an.
Ihn hänseln und zu höhnen pflegen
Nur Kinder und – die Herrn Kollegen.

 

 

Der Esel, der sich bescheiden hält,
Ist etwas, das dem Weisen nicht mißfällt.
Entsetzlich lästig kann er aber werden,
Will er sich wichtig-feierlich gebärden.
Und leider finden sich an jedem Orte
Sehr viel der Eseljust von dieser Sorte!

Georg Bötticher

 

 

Des Lebens Contraste

Indess sein Knäblein im Fieber lag
Und die Noth sein Weib drückte nieder,
Schrieb er und schrieb mit stöhnender Hast
Sein ganzes Elend in Lieder.

Doch wie er sie zum Verleger trug,
Rief der: – Veraltete Sachen!
Die Verse sind ja voll Empfindung und glatt,
Doch das Publikum heute will lachen! –

Da ging er heim und schrieb lustiges Zeug,
Wie es ihm das Herz auch zerquälte,
Und sieh' da, ihm brachte Gold und Glück
Der Humor seiner blutenden Seele.

Unbekannt

 

 

 

Avant-Propos

Ich kann mein Buch doch nennen, wie ich will
Und orthographisch nach Belieben schreiben!
Wer mich nicht lesen mag, der laß es bleiben.
Ich darf den Sau, das Klops, das Krokodil
Und jeden andern Gegenstand bedichten,
Darf ich doch ungestört daheim
Auch mein Bedürfnis, wie mir's paßt, verrichten.
Was könnte mich zu Geist und reinem Reim,
Was zu Geschmack und zu Humor verpflichten? -
Bescheidenheit? – captatio – oho!"
Und wer mich haßt, – sie mögen mich nur hassen!
Ich darf mich gründlich an den Hintern fassen
Sowie an den avant-propos.

Joachim Ringelnatz

 

 

 

Stets wandeln wir am Abgrund dicht

Stets wandeln wir am Abgrund dicht,
Wo Tief und Dunkel schrecken,
Aus dem ein Tod und letzt' Gericht
Die Drachenhälse recken!

Wir wandeln, ahnen nicht Gefahr,
So sorglos wie die Kinder…
Da strauchelst du und gleitest gar
Und gleitest ab geschwinder!

Jetzt gilt's! Ist keine Latsche da,
An der du dich kannst halten?
Umfassen nicht, dem Sturze nah,
Dich rettende Gestalten?…

Humor, so heißt die Latsche schlicht
Gleich Göttern hochgeboren –
Erhascht du sie im Gleiten nicht,
Dann, Freund, bist du verloren!

Carl Spitzweg

 

 

 

 

Das Stoppelfeld

Ein kahles Feld vor meinem Fenster liegt.
Jüngst haben dort sich schwere Weizenähren
im Sommerwinde hin und her gewiegt;
vom Ausfall heute sich die Spatzen nähren.

Welch trübes Bild! Doch leiht ihm Sonnenschein
ein Kinderpaar, das auf den Stoppeln schreitet,
die letzte Lese sorgsam sammelt ein
und jeden Fund mit frohem Ruf begleitet.

Schon faßt den Ährenstrauß ihr Tüchlein kaum.
Am Bahndamm beide rastend niederhocken;
der Knabe schießt im Grase Purzelbaum,
das Mägdlein windet Blumen in die Locken.

Schwebt mir nicht hier mein eignes Leben vor?
Wohl rafften Zeit und Tod hinweg das Beste,
doch lachend zeigen Liebe und Humor:
Noch finden wir genug der Freudenreste!

Theobald Nöthig

 

 

 

 

 

Die Mutter des Humors

Freund Humor – dich würdigt jedermann,
Weil so ganz ins Wesen du gedrungen!
Was kein Tor und auch kein Weiser kann:
Dir ist's wunderleicht gelungen.

Gegen alle Not bist du gefeit,
Hast die klarsten Augen, feinsten Ohren –
Du, den einst in unheilvoller Zeit
Eine Sterbende geboren.

Feister Racker! hei, wie freust du dich,
Und wie schmeckt dir all dein Erdenfutter –
Hurrahoch! Die dir so wenig glich,
Kanntest du ja nie: die Mutter.

Niemand denkt, was hart und blutend stritt,
Daß dem Schmerzenskind kein Können fehle:
Niemand, daß für dich den Tod erlitt
Eine schwärmerische Seele.

Hanns Freiherr von Gumppenberg

 

 

 

 

Am Scheideweg

Es gilt ein Mann zu sein, ein Fürst des Lebens!
Steck dir ein Ziel, verwirf den Traum!
Die tausend Wünsche loderten vergebens,
Und herrschen kannst du nur im Raum.

Der Jüngling flieht – Jugend grüne weiter!
In Thaten wohnet Poesie.
Sei der Humor dein schützender Begleiter!
Verlasse dieser Gott dich nie!

Verzage nicht in Ungemach und Sorgen,
Kampf ist die Loosung bis zum Tod.
Hast du nicht Freunde treu für Heut und Morgen,
Die Vieles wenden, was dir droht?

Es holt der Geist vom Geiste sich Genesung,
An treuer Brust ruht aus die Brust,
Nur die Verlassenheit ist auch Verwesung
Jedweder Kraft, jedweder Lust.

Die Liebe aber, die du kennst, die Liebe,
Gibt sie nicht allen Wesen Schwung?
Wenn sie ein Dämon aus dem Busen triebe,
Dir fehlte die Beseligung.

Ludwig Eichrodt

 

 

 

Sinnender Spatenstich

Unter der Erde murkst etwas,
Unter der Erde auf Erden.
Pitschert, drängelt. – Was will das
Ding oder was wird aus dem Ding,
Das doch in sich anfing, einmal werden??

Knolle, Puppe, Keim jeder Art
Hält die Erde bewahrt,
Um sie vorzubereiten
Für neue Zeiten.

Die Erde, die so viel Gestorbenes deckt,
Gibt dem Abfall, auch Sonderlingen
Asyl und Ruhe und Schlaf. Und erweckt
Sie streng pünktlich zu Zwiebeln, zu Schmetterlingen.
Zu Quellen, zu Kohlen – – –

Unter der Erde murkst ein Ding,
Irgendwas oder ein Engerling.
Zappelt es? Tickt es? Erbebt es? –
Aber eines Tages lebt es.
Als turmaufkletternde Ranke,
Als Autoöl, als Gedanke – – –

Fäule, Feuchtigkeit oder feiner Humor
Bringen immer wieder Leben hervor.

Joachim Ringelnatz

 

 

 

 

 

Novemberlied

Der Wald wird still; von dem Idyll,
Das einst als Angebinde
Der Lenz ihm schrieb, nur übrig blieb
Ein welkes Blatt im Winde.
Gau zieht vom Meer der Nebel her
Und weht den Trauerschleier.
Das ist die Zeit, dem Ernst geweiht
Der stillen Totenfeier.

Ach, laut genug mahnt uns der Zug,
Der bleiche, bange, lange;
Sein: nimmermehr! Macht wieder schwer
Das Herz und feucht die Wange. –
Doch nicht hinab auf Graus und Grab
Laßt uns trübsinnig schauen,
Nein, froh hinauf und mit Glückauf
Heut hellem Stern vertrauen!

Der Stern, der warm in Not und Harm
Strahlt auch dem ärmsten Schlucker,
Und allemal wie Sonnenstrahl
Der herben Frucht reift Zucker.
Der, wenn auch oft uns unverhofft
Die Rosen all erfrieren,
Doch sorgt dafür, daß unsre Tür
Noch grüne Maien zieren.

Hoch der Humor! Wer ihn erkor,
Den Stern der wahren Weisen,
Kann wohl mit Fug im Wandelflug
Der Zeit sich glücklich preisen.
Kein trüber Tag, kein Wetterschlag
Macht den zum Weltverächter,
Der sie bezwingt und auf sich schwingt
Mit göttlichem Gelächter.

Theobald Nöthig

 


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